Brasilien: der Holocaust war geplant


Alles lief so wie immer. Und Bolsonaro hat tatsächlich recht: in der Trockenheit gibt es mehr Waldbrände und die treten hauptsächlich in bereits gerodeten Gebieten auf. Weil man jetzt nämlich das vorher gerodete und nun getrocknete Holz verbrennt!

Von Friedrich.Helmke

Eine dieser Verbrennungsaktionen wurde von den Farmern im Süden des Bundesstaates Pará ganz offen angekündigt, und zwar für den 10. August 2019. Drei Tage vorher, am 7. August, warnte die Bundesstaatsanwaltschaft darufhin dringend die zuständige Umweltbehörde, IBAMA, in Santarém. Ohne Erfolg.

Am angekündigten Tag begann also die Vernichtungsaktion. Die Brände vermehrten sich laut Globo Rural (Teil des grössten brasilianischen Nachrichtendienstes) an diesem einem einzigen Tag um über 700%. Dieses Vorgehen war ja schon immer ganz normal und findet regelmässig jedes Jahr auf's Neue statt. Dieses Mal aber gab es noch einen besonderen Anreiz: die Aussagen und Sparmassnahmen der Regierung garantierten Straflosigkeit. 

Bolsonaro hat leider tatsächlich recht, wenn er fragt, wie er all das mit vierzig Männern löschen sollte. Die Regierung und die Umweltbehörden sind seit jeher vollkommen damit überfordert, einen derart grossen Raum zu kontrollieren. Ganz abgesehen vom mangelnden politischem Willen und lokalen Schmiergelder an die Umweltbehörden. Dieses Jahr stieg die Abholzungsrate also um irgendwo zwischen 80 und 270%.

Die Krise wurde international, als Bolsonaro bekannt gab, man bräuchte den deutschen Millionenbeitrag zum Amzonas Fonds nicht und Angela Merkel sollte damit Deutschland aufforsten. Das war ein Schlag ins Gesicht, vor allem deshalb, weil ein grosser Teil der Ausrüstung der Feuerwehr von deutschen Geldern gekauft und entwickelt wurde und diese Geräte an der Frontlinie des Kampfes gegen die Brände eingesetzt werden.

Umweltkatastrophen kommen in Brasilien leider häufig vor. 2015 wurde der Rio Doce, vergleichbar mit dem Rhein, von den Schlammmassen infolge eines Dammbruchs im Eisenerzabbau volkommen verseucht und alles Leben bis heute abgetötet. Im Januar 2019 zwang aber die Berichterstattung in den Medien und der Aufschrei der Bevölkerung wegen eines erneuten Dammbruchs mit fast 300 Toten die Regierung zum Einschreiten.

Die Brasilianer haben also nicht unbegrenzt Geduld. Wenn bislang einzelne den Kampf für die Umwelt gegen mächtige Interessen eingingen, mussten sie immer damit rechnen, eines Tages ermordet zu werden. Bolsonaro hat es aber geschafft, mit Hilfe der Medien die Bevölkerung gegen seine Umweltpolitik zu vereinen. Der Umweltschutz ist jetzt endlich salonfähig.

Die Umweltbewegung ging also gestärkt daraus vor. Was früher auf den modernen Süden beschränkt war, hat jetzt neue landesweite Kraft erhalten. Die Haltung der Europäer brachte Bolsonaros Kabinett übrigens dazu, ihn zur Kehrtwende und zum Einschreiten zu zwingen. Diese dramatischen Änderungen sind typisch für Brasilien und führen normalerweise dazu, dass alles doch wieder so bleibt, wie es früher auch war.
















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